Innehalten

Die weichen Haare kitzeln in ihrer Nase. Gerade lang genug, um überhaupt an ihre Nasenspitze zu reichen. Der Schlaf ist endlich über das Baby auf ihrer Brust gekommen. Sie liegt auf dem grauen Sofa eingehüllt in eine Wolldecke und lächelt. Ihre Augen erzählen die Nacht in der sie stundenlang mit dem zahnenden Kind durch die Wohnung gelaufen ist. Erstaunlich, dass sie auf ihrer Route rund um den Küchenblock keine Spuren auf dem Parkett hinterlassen hat. Längst scheint die Sonne durchs Fenster und sie durchströmt ein warmes Gefühl. Vollkommene Stille. Nur der ruhige Atem des Kindes und ihr sich beruhigender Herzschlag. In ihren Augenwinkeln erkennt man noch die Spuren der Verzweiflungstränen.

Und obwohl es viele Obwohls in dieser Situation gäbe, schließt sie die Augen und ist einfach nur dankbar. Dankbar für den kleinen Menschen, den sie begleiten und beschützen darf. Dankbar für die innige Liebe, die sie spürt. Dankbar für ihren Körper, der stark genug ist, trotz des Schlafmangels nächtelang wach zu bleiben. Dankbar für diese grünen Augen, die sie eben kurz vor dem Einschlafen angesehen haben.

Es geht nicht darum, diese Phase einfach nur durchzustehen. Das Durchhalten geht fast von allein und am nächsten Tag fragt man sich, wo man bloß diese Reserven gelagert hat und wie man mehr davon bekommt. Nein, es ist mehr als Durchhalten. Es ist Innehalten. Es ist, den Geruch des Kindes aufsaugen und die weiche Haut streicheln. Es ist, sich selbst auf die Schulter klopfen. Es ist, die Momente anzunehmen, wie sie sind. Sie öffnet die Augen und trinkt einen Schluck kalt gewordenen Kaffee. Dann schläft sie auch ein.

Lebt leuchtend, Lena.

P.S. Hat Euch der Beitrag zum Lächeln gebracht? Was hat Euch gefallen und was vielleicht auch nicht? Ich freue mich auf Euer Feedback in den Kommentaren oder per Kontaktformular.

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